Heute, 28.11.2022, Tobias Freudenberg in beck-aktuell. Hervorhebungen von uns. Vielleicht entwickelt sich dieser Begriff allgemein-sprachlich.

„In den so­zia­len Netz­wer­ken hat sich ein neuer Be­griff eta­bliert: „Quat­sch­ju­ra“. Ge­meint sind damit „recht­li­che“ Aus­füh­run­gen, die durch die Nut­zung von Fach­be­grif­fen und/oder Pa­ra­gra­fen ver­meint­lich ju­ris­tisch da­her­kom­men, aber stramm an der Rechts­la­ge vor­bei­ge­hen, wenn nicht gar völ­lig ab­surd sind. Quat­sch­ju­ra ist üb­ri­gens keine Spe­zia­li­tät von Laien. Auch Ju­ris­tin­nen und Ju­ris­ten be­kom­men re­gel­mä­ßig die­ses Eti­kett an­ge­hef­tet, wenn sie allzu stei­le The­sen ver­tre­ten, sich das Recht auf ein be­stimm­tes Er­geb­nis zu­recht­bie­gen oder recht­li­che Be­wer­tun­gen ohne jede Sach­ver­halts­kennt­nis vor­neh­men.

Weil auf den Plattformen schnelle und zugespitzte Statements besonders viel Aufmerksamkeit versprechen, wird ziemlich viel Quatschjura hinausposaunt, auch von Leuten, die es eigentlich besser wissen. Anwälte wurden schon dabei ertappt, Rechtspolitiker und Rechtsjournalisten ebenfalls, sogar Rechtswissenschaftler. Offenbar gilt auch für Juristen: Umso hitziger über ein Thema gestritten wird, umso irrationaler sind die Diskursbeiträge. Und dabei kommt dann eben häufig Quatschjura raus.

Anmerkung

In seinem instruktiven Artikel führt Freudenberg als ein Beispiel an:

„Die Klebeaktionen auf Straßen und in Museen wurden schon unter die wildesten Tatbestände subsumiert. Andere meinen, das hehre Ziel des Klima­schutzes rechtfertige unter dem Gesichtspunkt des Notstands jede Form des Protests, auch den gewaltsamen. Logischerweise werden die verschiedenen ­Ansichten schon mit Inbrunst vorgetragen, wenn die jeweilige Sachlage noch völlig unklar ist.”

Andrea Schweizer

Andrea Schweizer

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